Spielkarte B4: 25 Jahre Tschernobyl
März 29, 2020
Spielkarte C2: Bauprojekt Wackersdorf 1986
März 29, 2020

Bauprojekt Startbahn West

1981

Datum

140000

Demonstranten

4

Wut-Potential

1

Erfolgsfaktor

25 Jahre Tschernobyl – AKWs endlich abschalten!

Die Startbahn West, genaue Bezeichnung Startbahn 18 West, ist eine 4000 Meter lange reine Startbahn auf dem Flughafen Frankfurt am Main, die sich im westlichen Teil des Flughafens befindet und von Norden nach Süden verläuft. Die Planungen zur Startbahn stießen auf erhebliche Proteste und wurden zu einem der wichtigsten Bezugspunkte der Umweltbewegung der 1970er und 1980er Jahre.

Lieber die Pest als Startbahn West!

Am 14. November 1981 demonstrierten in Wiesbaden mehr als 120.000 Menschen gegen die Startbahn-Pläne. Dem Landeswahlleiter wurden 220.000 Unterschriften für ein Volksbegehren übergeben. Der Frankfurter Magistratsdirektor Alexander Schubart rief auf der Kundgebung zu einer „Besichtigung“ des Flughafens am nächsten Tag auf. Tags darauf blockierten über Stunden Startbahngegner die Eingänge zum Flughafen. Als die Polizei mit Gewalt gegen die Demonstration vorging, flüchteten die Demonstranten auf die benachbarte Autobahn, wo sie Barrikaden errichteten. Zur Räumung der Autobahn setzte die Polizei per Hubschrauber abgesetzte Bundesgrenzschutz-Einheiten ein. Über eine Woche war die Innenstadt von Frankfurt und anderen Städten des Rhein-Main-Gebietes durch tägliche Protestaktionen faktisch gesperrt.

Eine Besetzung des Frankfurter Hauptbahnhofs wurde von Ordnungkräften verhindert. Am späten Abend des 3. November 1981 kam es in der Rohrbachstraße im Frankfurter Stadtteil Nordend zu einem schwer umstrittenen Polizeieinsatz gegen eine Startbahndemonstration, bei dem mehrere Demonstranten schwer verletzt wurden.

Schubart wurde wegen Nötigung der Landesregierung und des Aufrufs zur Gewalt zu zwei Jahren Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt und aus dem Staatsdienst entlassen. Nach zehnjährigen gerichtlichen Auseinandersetzungen waren es doch nur acht Monate auf Bewährung und er konnte im Staatsdienst verbleiben.

Antrag auf Volksbegehren

Der Antrag auf ein Volksbegehren – was die letzte legale Möglichkeit darstellte, den Bau der Startbahn zu verhindern – endete 1982 mit negativem Bescheid des hessischen Landtags unter Ministerpräsident Holger Börner (SPD) und der Zurückweisung wegen Nichtzuständigkeit des Hessischen Staatsgerichtshofs.

Ab 1982 verlagerte die nach den Ereignissen im Herbst 1981 geschwächte Startbahn-Bewegung ihre Aktivität hauptsächlich auf wöchentliche, sogenannte „Sonntagsspaziergänge“ an die Betonmauer um das Baugelände für die Startbahn 18 West. Aus diesen wöchentlichen Demonstrationen heraus wurde immer wieder versucht, die Mauer zu demontieren, die Bauarbeiten zu behindern und Polizeikräfte anzugreifen.

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