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Oster-Unruhen 1968

1968

Datum

30000

Demonstranten

5

Wut-Potential

1

Erfolgsfaktor

Die Oster-Unruhen in Berlin 1968

Eine weitere Radikalisierung der Studentenbewegung, nicht nur in Bezug auf das Thema Springer, lässt sich eindeutig auf den Anschlag auf Rudi Dutschke, am Gründonnerstag, den 11. April 1968, festlegen. Rudi Dutschke wurde in Berlin auf offener Straße vom Arbeiter Josef Bachmann niedergeschossen. Dutschke überlebte den Anschlag schwer verletzt. Josef Bachmann hatte Verbindungen in die rechtsextreme politische Szene. Dem Attentat vorangegangen waren mehrfach Artikel der Springerpresse, die gegen die Studenten und Dutschke im Besonderen polemisierte, so forderte unter anderem am 7. Februar 1968 die BILD-Zeitung: „Stoppt den Terror der Jung-Roten jetzt!“. Zudem war ein Artikel in der National-Zeitung erschienen mit der Schlagzeile: „Stoppt den roten Rudi jetzt!“. Diese Ausgabe wurde nach dem Attentat bei Bachmann gefunden.

Unter den Talaren – Muff von 1000 Jahren!

Die folgenden Ostertage sahen „Straßenschlachten, wie es sie Westdeutschland seit der Weimarer Republik nicht mehr gekannt hatte“. Unter Parolen wie „Haut dem Springer auf die Finger!“ und „BILD hat mitgeschossen“ kam es zu Demonstrationen, die die Auslieferung der Zeitungen des Springer-Verlags in nahezu allen Großstädten der Bundesrepublik verhindern sollten. Die APO ließ ein Flugblatt verteilen in dem sie Axel Springer in eine Reihe mit dem Herausgeber des Stürmers, Julius Streicher stellte: „Julius Streicher hetzte in seiner Zeitung ‚Der Stürmer‘ zum Judenmord. Er wurde dafür zum Tode verurteilt. Axel C. Springer hetzt zum Studentenmord. Er wurde bisher nicht verurteilt und hetzt und hetzt und hetzt…“

Während der Osterunruhen wurde am 15. April in München der Fotoreporter Klaus Frings durch einen Steinwurf aus den Reihen der Demonstranten so schwer verletzt, dass er zwei Tage später starb. Der Student Rüdiger Schreck starb einen Tag später, ebenfalls an den Folgen einer Schlagverletzung. Nach Recherchen seines Bruders, an denen auch Günter Wallraff mitwirkte, könnten ihm diese durch einen Polizisten zugefügt worden sein.

Die APO diskutierte derweil über die „Gewaltfrage“: einerseits im Hinblick darauf, welche Mittel zur Durchsetzung der eigenen Ziele zukünftig sinnvoll und legitim seien, andererseits im Hinblick darauf, welcher Gewalt man selbst und die Bevölkerung insgesamt eigentlich ausgesetzt sei. Bei letzterem Punkt wurde festgestellt, dass es sich bei der Gewalt „von oben“ nicht nur um die Polizeiknüppel auf der Straße handele, sondern zum Beispiel auch eine parteiische Presse als Gewaltinstrument genutzt werde.

Verabschiedung der Notstandsgesetze

Nur einen Monat nach dem Attentat auf Dutschke wurden die lange geplanten Notstandsgesetze endgültig verabschiedet. Die Anti-Notstandskampagne, die seit 1966 sukzessive größeren Einfluss nicht nur unter der Studentenschaft, aber nicht im Parlament, gewonnen hatte, gipfelte am 11. Mai 1968 in einem Sternmarsch auf Bonn, ohne das Gesetz noch verhindern zu können. Die Furcht davor, dass man mit der Einführung der neuen Paragraphen ein neues Ermächtigungsgesetz wie im Jahr 1933 erlebe, war weit verbreitet. Hans-Jürgen Krahl vom SDS sah unmittelbar vor der Verabschiedung der Notstandsgesetze „die Bundestagsabgeordneten entschlossen, die letzten spärlichen demokratischen Rechtsansprüche in diesem Land auszulöschen“. Ein Flugblatt weiter: „Es gibt nur eine praktische Antwort auf die Faschisierung der Gesellschaft: Die Organisation des Widerstandes.“